Donnerstag, Januar 13, 2005

Schöffe als Verteidiger des gesunden Volksempfindens

Ich hab gestern nicht schlecht gestaunt, als mir Kollegen die Berliner Morgenpost vom Dienstag in die Hand gedrückt haben. Da befand sich auf der ersten Seite des Regionalteils eine viertelseitige Anzeige von einem Herrn Dr. Bernd Ramm - seines Zeichens Akademischer Direkter an der Charite und nunmehr für 4 Jahre zum Schöffen am Landgericht Berlin ernannt. Und was lässt er auf diesem - recht kostspieligen - Wege die Nation wissen? Er ruft dazu auf, "den Kampf gegen das gutmenschliche und sozialromantische Agieren der deutschen Hochmoral aufzunehmen". Und als leuchtendes Beispiel möchte er offenbar vorangehen und der "Laschheit von Teilen der Berliner Justiz" entgegenwirken. Er wolle Urteile verhindern helfen, bei denen "für die Vergewaltigung eines Kindes (13 Jahre) mit einer anschließenden Totgeburt [...] der Täter zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt" wurde.

Er fasste auch zusammen, von welchen Grundsätzen er sich bei seiner Urteilsfindung leiten lassen möchte:
Stafe dient meiner Ansicht nach nicht nur der Resozialisierung des Täters sondern auch:

- einer Individualprävention (Abschreckung des Täters vor neuen Taten)
- einer Generalprävention (Abschreckung anderer potenzieller Täter)
- der Sühne für die Tat(en)
- der Orientierung und dem Gerechtigkeitsempfinden der Menschen
- und vor allem dem Schutz der Gesellschaft vor Verbrechern

Ich dachte ja zunächst, es handelt sich hierbei um einen schlechten Scherz. Den Herrn gibt es jedoch wirklich und er meint es auch ernst.

Beim Landgericht wird nun beraten, ob man Ramm die Eignung als Schöffen nach seiner Anzeigenveröffentlichung abspricht. Dies bleibt wirklich zu hoffen.

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