Mittwoch, Juli 27, 2005

Nochmals Bankenskandal - Heute: Die guten alten Zeiten

Der Tagesspiegel wartet heute mit szenischen Beschreibungen über den Nährboden und die Begleitumstände des Berliner Bankenskandals auf - die guten alten Westberliner Zeiten eben:
Ältere Journalisten erinnern sich noch an ein Ritual, das bis zur Wende
alljährlich die Debatte über den Landeshaushalt einleitete: Der Finanzsenator,
Günter Rexrodt beispielsweise, erschien im Pressezimmer des Rathauses Schöneberg mit einer Torte, die in Zuckerguss die Zusammensetzung des betreffenden Haushalts veranschaulichte – gut die Hälfte der Gesamtsumme wurde aus dem Bundeshaushalt überwiesen. Der Senator machte ein paar heitere Bemerkungen über die Mühen, die es jeweils gekostet hatte, dem Finanzminister das Geld abzuschwatzen, dann griff er zum Tortenheber. Die Journalisten ließen sich das
Backwerk schmecken, und es begann die zweitägige Debatte, in der es praktisch
nie um Geld ging. Denn das war ja da.
Oder:

Am Rande der Politik setzten sich in diesen Jahren harte Macher durch, für die
der Begriff „Baulöwe“ zu niedlich gewesen wäre. Sie langten richtig zu. Sichtbar
wurde das, als die Polizei die Schüsse auf einen Makler untersuchte, der sich
mit dem „Neuen Kreuzberger Zentrum“ am Kottbusser Tor ein Denkmal gesetzt hatte. Von diesem Mordanschlag führten Spuren ins Büro des Charlottenburger
CDU-Baustadtrats Wolfgang Antes, es ging plötzlich um illegale Parteispenden und
Bestechung, praktisch „alles mit Ausnahme der Vorbereitung eines Angriffskrieg“,
wie Uwe Schmidt scherzte, jener Ermittler, der den Antes-Skandal aufdeckte und
damit bewies, dass aus dem folkloristischen Berliner Filz längst eine brisante
Mixtur von Baudschungel, Politik und Kriminalität geworden war.

Filmreif!

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