Mittwoch, August 31, 2005

Keine Revolution, aber außerordentlich substanziell und fehlerfrei

Bevor es wieder heißt, die Dissertation des/der Kanzlerin sei nachträglich verschwunden worden (so wie angeblich bei Dr. Kohl), hat sich die Süddeutsche in vorauseilendem Gehorsam die Diss von Frau Merkel verschafft und einem Fachmann vorgelegt.
Und nachdem Frau Merkel in Physik 'ne glatte eins kriegt, soll sie nun auch zur Kanzlerin taugen, sagt die anschließende Wahlempfehlung (immer noch in der SZ. Der SZ):
Die von der Physikerin Merkel angegangenen wissenschaftlichen Probleme sind im übrigen bis heute nicht befriedigend gelöst. Das allerdings hat mit der Komplexität der Sache zu tun und lässt wenig Rückschlüsse auf den Erfolg der Politikerin Merkel zu. Als solche könnte sie bekanntlich die Chance bekommen, die nicht minder komplexen Strukturen eines ganzen Landes nach Lösungsansätzen abzusuchen. Akribie und Hartnäckigkeit sind zweifellos auch auf diesem Gebiet von Nutzen.
Horst Köhler könnte es nicht schöner sagen. Andere aber schon - zum Beispiel das abweichende Votum im Magazin für politische Kultur Cicero:
Vor fast zwanzig Jahren promovierte die Physikerin über den Mechanismus von Zerfallsreaktionen und die Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten.
Im letzten Herbst begann der Kreis um Merkel an der Spitze der Union zu bröckeln.
Und weil's so schön ist ebd.:
Als erster nahm Friedrich Merz seinen Hut. Im Oktober 2004 gab er alle Spitzenämter in der CDU auf. Danach wurde es ziemlich still um seine Idee einer Steuererklärung, die auf einen Bierdeckel passt. Zwar beteuerte Michael Meister, Mathematiker und Nachfolger von Merz als Fraktionsvize und Finanzexperte der Union, kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Auch wenn Friedrich Merz gegangen ist, ist der Bierdeckel nicht tot.“ Doch wie glaubwürdig ist diese Aussage eines Mannes, dessen Dissertation den Titel „Eine asymptotische Entwicklung des globalen Diskretisierungsfehlers von Differenzenverfahren zur numerischen Lösung von quasilinearen parabolischen Systemen von Differentialgleichungen“ trägt?
Heute hat Frau Merkel ganz andere Kaliber auf dem Deckel. Aber an dem Zerfallsproblem arbeiten sie und die Herren Ministerpräsidenten ja noch.

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