Samstag, September 10, 2005

appd: nun doch nicht

Das OVG Koblenz hat gestern entschieden, dass das ZDF den appd-Wahlwerbespot nicht senden müsse. Aus der PM:

Es bestünden bereits größte Bedenken, ob der eingereichte Spot als Wahlwerbung zu quali­fizieren sei. Der Wortinhalt sei begrenzt. Die filmische Darstellung zeige unkommentiert völlig enthemmte, berauschte und von Zerstörungswut getriebene Menschen, die jenseits jeder sozialen gesellschaftlichen Norm und sittlichen Wertvorstellung eine exzessive Orgie ver­anstalteten. Hieran nähmen auch vollständig orientierungslose und verstörte kleine Kinder teil. U. a. würden der übermäßige Konsum von Alkohol und von jeglicher Individualität beraubte Menschen gezeigt, insbesondere ein Paar mit nacktem Oberkörper und mit über die Köpfe gezogenen Plastiktüten, das sexuelle Handlungen ausführe. Ferner werde ein Fressgelage dargestellt, an dem außer Menschen auch eine Ratte und ein Hund teilnähmen. Dabei werde in Ekel erregender Weise Hundefutter gegessen und auf den Körpern ver­schmiert. Zwei Jugendliche stritten sich wie Tiere mit bloßen Zähnen um ein rohes Stück Fleisch. Außerdem enthielten die Szenen verrohend wirkende Gewaltanwendungen. Schließlich würden verschmutzte Wahlzettel gezeigt, über die eine Spinne laufe und die anschließend verbrannt würden.

Bei Würdigung des Spots dränge sich der Verdacht auf, dass die APPD ihn nicht als ernst­haften Beitrag im politischen Meinungsbildungsprozess verstanden wissen wolle, sondern die Form der Wahlwerbung zur Verhöhnung der Wahlbürger missbrauche.
Die Entscheidungsdatenbank des OVG ist eher kläglich. Entscheidungen sind im Volltext nur über ein (Gast-) Login möglich; die hier genannte Entscheidung (Az. 2 B 11269/05.OVG) ist noch nicht enthalten.
Lob geht an dieser Stelle an die Verwaltungsgerichtsbarkeit Niedersachsen, die sogar ein RSS-Feed anbietet.

Keine Kommentare: