Sonntag, September 11, 2005

USA nun doch kein failed state

Eine interessante Bestandsaufnahme von Jebediah Purdy, die deutliche Worte nicht scheut:
Die Bilder aus der Stadt scheinen Europas schlimmste Mutmaßungen über die Vereinigten Staaten zu bestätigen. In der Hoffnungslosigkeit und Verletzlichkeit, die sie enthüllen, sind sie apokalyptische Abbildungen von einem failed state, einem gescheiterten Staat, Abbildungen einer nur knapp unter dem Firnis des amerikanischen Wohlstands verborgenen Dritten Welt, eines bewaffneten und gewalttätigen Volkes, bereit zum Guerillakrieg gegen die eigenen Nachbarn. Jedoch erfasst dieser schreckliche Eindruck nicht den Kern der fundamentalen Misere, den das Desaster von New Orleans offen gelegt hat. Diese Misere besteht darin, dass die politische Kultur Amerikas bereit ist, eine tiefe und lähmende Ungleichheit hinzunehmen. Und sie besteht darin, dass heute die Vereinigten Staaten Leute regieren, die weder die Zwecke noch die Aufgaben des Staates ernst nehmen.
Mehr in der aktuellen ZEIT.
Was in den USA so offensichtlich scheitert, ist wohl die Extremform dessen, was unter den Schlagworten "mehr Eigenverantwortung" und "Deregulierung" zu den Kernforderungen des schwarz-gelben Lagers gehört. Vorsichtig formuliert: Es überrascht nicht, dass Fundamentalkritik an diesen Plänen in weiten Kreisen des Landes viel Zustimmung erfährt. Mehr Differenzierung tut not.

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