Donnerstag, November 03, 2005

Bruchlandungsklatscher

Man hatte sich ja daran gewöhnt, dass es mit der großen Beamtenregierung einfach langweilig wird, dass Sachfragen nüchtern wegverhandelt werden und eigentlich nichts besser wird.
Aber kurz vor dem Beginn der Karnevalssession wird in Berlin und München kräftig vorgelegt, und keine Narretei ist zu abgefahren. Man denkt unversehens an Dürrenmatt: Die heutige Wirklichkeit ist mit den Mitteln von Tragödie und selbst Komödie nicht mehr greifbar, wir sind zurückgeworfen auf die Groteske.

Die SPD meuchelte gerade aus Versehen ihren Vorsitzenden, da probt die CSU mit für bayerische Verhältnisse brachialer Gewalt den Aufstand: Da wird im Urlaubsflieger nach Italien der Freistaats- und Parteichef in Anwensenheit und aller Klarheit kritisiert ("es gab Irritationen") und die vom Tomatensaft enthemmte Meute klatscht, als habe der Kritikus gerade eine A380 ohne Fahrwerk auf dem Standstreifen der A8 aufgesetzt, ohne den ADAC-Staupiloten zu erwischen. Aber gelandet ist ja bisher nur Edmund Stoiber, und ziemlich unsanft noch dazu. Denn als der Vater auszog, um Bundesminister zu werden, haben die beiden Söhne erstmal flott eine Riesenparty angezettelt, den Weinkeller geplündert und auf den Teppich gekotzt. Nun steht Papa plötzlich verkatert in der Tür und den Söhnen schwant, dass es dafür eine ordentliche Tracht Prügel geben könnte. Herr Huber hat sich schnell geduckt und macht artig den Abwasch, während Herr Beckstein den aufmüpfigen 68er-Sohn gibt.
Auf seinem Marsch durch die Institutionen lässt Revoluzzer Beckstein auch seine Erfahrungen aus der Selbsthilfegruppe für ertappte Amtserbschleicher erkennen und gibt an, er habe Kritik an Herrn Stoiber in seine Rede eingebaut und sich "sehr wohl damit gefühlt".

Wie wird es weiter gehen? Wird diesmal der Bär seinen Jägern das Fell gerben? Wird am Ende Söder Oberförster? Heißt es für Huber und Beckstein Edeka? Auf wessen Seite schlagen sich der Papst und der Kaiser?
Weiß-blaue Geschichten bei spon. Und wenn Bayern ihn nicht mehr will, wird Stoiber halt in Bonn am Rhein Prinz Karn-äh-val.

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