Montag, November 21, 2005

Reiten im Walde - hohe Schule

Natürlich hängt das Sondervotum von RiBVerfG Grimm aus o.g. Entscheidung im bescheidenen Redaktionsloft gleich neben dem Harald-Schmidt-Portrait.

Nun fragte man sich als liberaler Student ja immer, ob nicht doch der weite Schutzbereich des Art. 2 Abs. 1 GG der Angemessenere ist.

Offensichtlich war aber "Reiten im Walde" als konkrete Handlung lediglich zu vernünftig, um Konflikt zwischen bloßer Neurose und schutzwürdiger Selbstverwirklichung hinreichend trennscharf aufzuzeigen.
Den Unterschied zwischen pathologischer Sehnsucht und subjektivem öffentlichen Recht mag das Ansinnen beleuchten, sich trotz bester Physis verstümmeln zu lassen. Nicht, um der Ostfront zu entgehen, sondern um über die Behinderung zur Katharsis zu gelangen.
Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, dass er sich im Rollstuhl glücklicher wähnt und die bloße Möglichkeit genügen lässt? Die
Süddeutsche berichtet.
Seit einigen Tagen diskutieren Ärzte, Ethiker, Philosophen im Internet eine „bizarre Bitte“, die an sie per Rundmail herangetragen wurde. Ein 39-jähriger Deutscher, Unternehmensgründer in England, ehemals Student der Rechte und der Geschichte, sucht „nach einer Möglichkeit, meine innere Identität als Mensch mit einer Querschnittlähmung zu realisieren und somit psychische Heilung zu erlangen.“
Dass die Problematik vornehmlich die Ethiker (und erst viel später die Juristen) beschäftigen wird, ist ein schwacher Trost.


Was bleibt, ist die Erkenntnis:

Ein Grundrecht ist nur so gut wie sein Träger (auch bekannt als Paybackformel).

1 Kommentar:

kulioo hat gesagt…

Artikel nachbearbeiten ist ja OK, aber auch gleich noch die URL ändern, also wirklich. Da muss man beim zeitnahen verlinken ja aufpassen wie ein Schießhund...