Dienstag, August 31, 2004

"So promovieren Sie richtig!"

Der "Leitfaden zum Doktorhut" ("So promovieren Sie richtig!") von Anja Schreiber stellt in sieben Kapiteln viele interessante Hinweise zur Promotion zusammen (auch als PDF-Download).

MoMA-Wucher?

Die aktuellen Preise für MoMA-Karten bei eBay scheinen zwar wirklich das Ergebnis eines funktionierenden Marktes (und somit kein Wucher) zu sein, lassen allerdings all denen den Atem stocken, die etwa im Rahmen eines Gruppenbesuchs für 6-12 Euro (auch ohne Wartezeit) die Ausstellung besuchen konnten. Allerdings sieht man nur noch bis zum 19. September Bilder wie die Sternennacht von van Gogh in der Berliner Neuen Nationalgalerie, die Hektik auf dem Kartenmarkt ist also durchaus nachvollziehbar (und wird sicher noch zunehmen).

Online spenden bei Unicef

Die Unicef.de-Website wurde neu gestaltet, man kann aber weiterhin hier online per Einzelüberweisung spenden. Die Daten werden verschlüsselt übertragen, die Prozedur ist also nicht nur kinderleicht, sondern auch garantiert sicher (zumal ja keine wirklich sensiblen Daten wie Passwörter oder Kreditkartennummern übertragen werden, sondern "nur" die Kontonummer).

Neuland Hochschule

Das AbiMagazin hält eine Broschüre "Neuland Hochschule" (PDF, 12 Seiten) bereit, die ich allen Erstsemestern (vor allem natürlich der Jurastudentin) in die virtuelle "Schultüte" zum Semesterbeginn legen möchte.

"Open Access"-Initiative: Offener Brief an den US-Kongress

In einem offenen Brief haben sich 25 Nobelpreisträger an den US-Kongress gewandt (Meldung bei Heise). Darin unterstützen sie einen vom Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses propagierten Vorschlag. Danach soll das US-Bundesgesundheitsamt (NIH) die Forschungsförderung an die Verpflichtung der Zuwendungsempfänger koppeln, die wissenschaftlichen Veröffentlichungen aus den geförderten Arbeiten anschließend auch der Allgemeinheit über die digitale Bibliothek PubMed Central frei zugänglich zu machen.

"Wissenschaft ist das Maß für den Fortschritt der Menschheit", heißt es in dem unter anderem vom Mitentdecker der DNS-Struktur, James Watson, und dem früheren NIH-Direktor Harold Varmus unterzeichneten Schreiben. "Als Wissenschaftler und auch als Steuerzahler wenden wir uns gegen Barrieren, die die Verbreitung mit Steuermitteln geförderter wissenschaftlicher Erkenntnisse behindern, verzögern oder blockieren".

GMAIL als Dateiarchiv

Die Größe der Postfächer bei Googles E-Mail-Service Gmail -- 1 Gigabyte -- hat offenbar Richard Jones inspiriert, den E-Mail-Service als virtuelle Festplatte einzuspannen. Er hat ein Python-Skript namens GMailFS geschrieben, das es ermöglicht, die Mailbox als virtuelles Laufwerk unter Linux einzubinden. Neben einem Python-Interpreter benötigt das Skript die Betriebssystemerweiterung FUSE. Eine genaue Beschreibung der Einrichtung von GmailFS findet sich auf der Homepage des Autors.

Mittlerweile bieten eine Reihe von Dienstleistern und Software-Autoren Helferlein rund um Gmail an. So stellt beispielsweise email2Pop eine POP3-Schnittstelle für Gmail bereit -- Googles Mailservice (momentan offiziell noch im Beta-Stadium) bietet derzeit nur ein Web-Interface zur Verwaltung der Nachrichten.
Meldung bei Heise. Wer noch einen Gmail-Account braucht, kann sich bei mir melden ...

LG Duisburg: Entscheidung zu rathaus-oberhausen.de

Unter den Namensschutz einer Stadt fallen alle mit dem Stadtnamen identischen oder aus ihm abgeleiteten Domains. Unter diesem Aspekt hat das Landgericht Duisburg entschieden, dass der Domainname «rathaus-oberhausen.de» nur der Stadt Oberhausen zusteht. Ein Durchschnittsbürger verbinde mit dem Begriff «Rathaus» das offizielle Verwaltungs- und Repräsentationsgebäude der Stadt und erwarte eine offizielle Seite mit entsprechenden Informationen und Angeboten.

LG Duisburg, Beschluss vom 27.05.2004, Az.: 10 O 79/04 (Hintergründe bei Beck).

Hamburg soll die sicherste Großstadt Europas werden

Während andere Kommunen um den ersten Platz bei der Ausscheidung "Unsere Stadt soll schöner werden" buhlen, hat Hamburg einen exklusiven Wettbewerb ausgelobt, an dem allerdings die Hansestadt als einziger Ort teilnimmt: Hamburg soll die sicherste Großstadt Europas werden. Auf dem Weg dahin soll durch ein neues Polizeigesetz, dem "schärfsten der Republik", neue "Maßstäbe für die Sicherheitsstandards in Deutschland" gesetzt werden. Das beschloss die Hamburger CDU-Bürgerschaftsfraktion auf ihrer Klausurtagung am vergangenen Wochenende.
Artikel bei Telepolis

Gruselkabinett des Klassenkampfs

Während Oskar Bonaparte in Leipzig die Massen verführte, demonstrierten auch in vielen anderen Orten Zehntausende gegen den notwendigen Umbau des Sozialstaats. SPIEGEL ONLINE fragte Demonstranten in acht Städten, warum sie auf die Straße gehen. Echte Not, ideologische Verblendung und berechtigte Kritik gehen oft Hand in Hand. Eine virtuelle Montagsdemo, die einem die Haare zu Berge stehen lässt.

VG Berlin: Volljurist muss zum Verkehrsunterricht

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden, dass ein Kraftfahrer auch dann zu einem Verkehrsunterricht gezwungen werden kann, wenn er erstmalig gegen Verkehrsvorschriften verstößt. Dabei spielt es keine Rolle, dass es sich bei dem Kraftfahrer um einen Volljuristen handelt.

VG Berlin, Urteil vom 26.08.2004, Az.: VG 11 A 174.04.

Wenn man nur diese reduzierte Zusammenfassung (etwa bei Beck Aktuell) liest, entgeht einem freilich der Kern der Angelegenheit: der Bursche ist mehr als selbst schuld und sollte froh sein, dass die Zeiten schnell angeordneter Liquorentnahmen nach der harschen Rüge des BVerfG (BVerfGE 16, 194) vorbei sind!

Nach den Feststellungen der Polizei hatte der Kläger den Pkw nicht nur unter Missachtung des eingeschränkten Haltverbots am Fahrbahnrand verkehrswidrig, sondern auch entgegengesetzt der Fahrtrichtung und schräg zur Fahrbahnkante abgestellt. Dadurch kam es zu einem Rückstau des gesamten Einbiegeverkehrs. Trotz Aufforderung der Polizei hatte sich der Kläger zunächst geweigert, den Pkw zu entfernen. Stattdessen schickte er mehrfach seine Ehefrau vor und lies ausrichten, er wolle nicht beim Grillen gestört werden. Nach Aussage der Ehefrau kümmere sich der Kläger nie um Parkplätze, und parke einfach da, wo er mit dem Fahrzeug anhalte. Erst nach längerer Diskussion konnte der Kläger dazu bewegt werden am Fahrzeug zu erscheinen. Selbst dann war er nicht bereit, das Fahrzeug unverzüglich zu entfernen, sondern beschimpfte die Polizeibeamten. Erst nach weiteren 10 Minuten fuhr er den Pkw weg.
Da hatte es das Gericht nicht schwer:

Das Vorbringen des Klägers, er sei Volljurist, habe zwei Staatsexamina in Berlin bestanden und bedürfe keiner verkehrsrechtlichen Belehrung mehr, wies das Gericht zurück. Es hatte bereits Zweifel, ob bei allen Volljuristen stets von ausreichenden Kenntnissen der Straßenverkehrsvorschriften auszugehen sei. Jedenfalls komme es nur auf die - unzureichenden - Kenntnisse des Klägers an. Im Übrigen sei auch dann, wenn der Kläger die Verkehrsvorschriften, gegen die er verstoßen hat, genau kenne, ein Verkehrsunterricht sinnvoll, weil er offensichtlich die Bedeutung und Tragweite dieser Vorschriften nicht erfasse und mit dem Verkehrsunterricht sein Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden kann.

BGH zu Haftung bei Internetauktionen ("rolex ./. ricardo")

Seit der Veröffentlichung der Pressemitteilung Mitte März warte (nicht nur) ich auf dieses Urteil, heute beglückt mich die Pressestelle des BGH mit der Veröffentlichung. Dem Urteil (BGH, Urteil vom 11.03.2004, I ZR 304/01) habe ich den Sachverhalt für die Fallstudie bei der DGRI-Herbstakademie nachgebildet. Vor der Lektüre der Urteilsgründe bin ich aufgeregt wie selten zuvor ...

OLG Hamm: Erstmals Haftbefehl zur Auslieferung eines deutschen Staatsangehörigen erlassen

Das Oberlandesgericht Hamm hat am 25.08.2004 gegen einen 22-jährigen Mann aus Höxter die Auslieferungshaft nach Spanien angeordnet. Dem Mann wird dort vorgeworfen, Anfang des Jahres 2003 in Valencia einen kolumbianischen Staatsangehörigen erwürgt zu haben. Damit wird erstmals ein deutscher Staatsangehöriger zur Strafverfolgung an das Ausland ausgeliefert (OLG Hamm, Beschluss vom 25.08.2004, Az.: (2) 4 Ausl. A 64/04 (227/04)).

Die Sperrwirkung des Art. 16 Abs. 2 GG wird vom (neuen) Europäischen Haftbefehlsgesetz (EuHbG) durchbrochen, das der Bundestag im Juni abgesegnet hat und das am 23.08.2004 in Kraft getreten ist.

Praktikumsratgeber

"Praktika im In- und Ausland - Berufserfahrung im Studium sammeln" ist eine lehrreiche Broschüre (PDF, 39 Seiten) der Koordinierungs- und Beratungsstelle für den Berufseinstieg (Uni Bochum).

Montag, August 30, 2004

"Staatsexamen, ein Flop?"

"In Bayern scheitert fast jeder fünfte Kandidat am Jura-Examen: Zweimal versiebt und tschüss, aus der Traum vom Richteramt oder der eigenen Kanzlei. Ein Workshop in München richtet verzweifelte Beinahe-Juristen wieder auf."
Soweit der UniSpiegel. Diese Zahlen sind allerdings nicht nur aus Bayern bekannt. Wenn man nicht die "endgültig Durchgefallenen" betrachtet, sondern jede Examensprüfung für sich, sind die Zahlen noch besorgniserregender (auch außerhalb Bayerns, sieht man mal von Hamburg oder Hessen ab).

Uni Potsdam hat neue Website

Das neue Gewand der Webpräsenz der Uni Potsdam kann durchaus gefallen. Auch der WWW-Auftritt der juristischen Fakultät wurde geliftet. Die Gestaltung der Lehrstuhlseiten liegt freilich weiterhin in der Verantwortung des jeweiligen Lehrstuhls (bzw. des zuständigen studentischen Mitarbeiters).

Populismus aus dem Lehrbuch

Wer die Wahlkampagne der (in Berlin) regierenden (!) PDS ("Für eine andere Politik!") schon für die höchste Stufe des angewandten Populismus hielt, wird dieser Tage brutal eines Besseren belehrt: Der Altmeister des Populismus ist zurück auf der Bühne und labt sein geschundenes Ego am Zorn des schlecht informierten Volkes.

Der Kanzler habe sechs Jahre lang Zeit gehabt, die Arbeitslosigkeit zu senken, sagte Lafontaine am Montag dem Fernsehsender N24. Dies sei nicht gelungen und daher habe sich gezeigt, „dass der Weg falsch war“. Bestechende Logik.

Lafontaine betonte: „Die oberen Zehntausend bereichern sich weiter, indem sie die Steuer für sich selbst senken und gleichzeitig predigen sie dem Volk Wasser.“ In Leipzig wolle er „einige Alternativen vorstellen zur jetzigen Reformpolitik“. Er forderte eine expansive, auf Wachstum ausgerichtete Politik.

Da soll noch mal jemand Kürzungen im Bereich der politischen Bildung fordern.

§ 90 II 1 BVerfGG

Wie ein Sprecher des Bundesverfassungsgerichtes am 27.08.2004 mitgeteilt hat, sind die Verfassungsbeschwerden, die schon jetzt gegen die Arbeitsmarktreform Hartz IV eingegangen sind, wahrscheinlich unzulässig. Da das Gesetz erst am 01.01.2005 in Kraft treten wird, sei zunächst der ordentliche Rechtsweg zu den Sozialgerichten einzuhalten. Wir sind überrascht ...

Revival der Umgangsformen

Der höfliche Mensch von heute sucht Informationen zur korrekten Anrede honoriger Persönlichkeiten bei Google ...

Weiß denn jemand die Antwort auf diese interessante Frage?

45. Deutscher Historikertag: live im Internet

Das sollte sich der Deutsche Juristentag mal zum Vorbild nehmen: Knapp ein Viertel aller Sektionen und Vorträge des 45. Deutschen Historikertags wird im Internet unter historikertag2004kiel.de als Livestream übertragen. Kurze Zeit später stehen die Sendungen auch zum Download zur Verfügung. Das Historische Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel richtet vom 14. bis 17.9.2004 den Deutschen Historikertag aus und wagt mit Hilfe des Rechenzentrums der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel dieses technisch außerordentlich anspruchsvolle Experiment, um die Geschichtswissenschaft voranzubringen. Unter Anwendung des Tagungsmottos "Kommunikation und Raum" wird der virtuelle Raum Internet für diese Tagung zur Vermittlung genutzt.

Zeitschriftenverleger: Kanzler muss gegen «Caroline-Urteil» vorgehen

Die deutschen Zeitschriftenverleger drängen die Bundesregierung zum Handeln gegen das so genannte «Caroline-Urteil», in dem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Berichterstattung über Prominente bestimmten Einschränkungen unterworfen hat. Für einen Einspruch der Bundesrepublik beim EGMR blieben noch knapp vier Wochen Zeit, erklärte der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) am 27.08.2004 in Berlin. Zuvor hatten mehrere Verleger in einem Brief an Kanzler Gerhard Schröder (SPD) appelliert, gegen das Urteil vorzugehen. Unterschrieben ist der Brief von den Verlegern Hubert Burda, Heinz H. Bauer, Mathias Döpfner (Verlag Axel Springer), Bernd Kundrun (Gruner+Jahr), Thomas Ganske, Georg-Dieter von Holtzbrinck, Bodo Hombach (WAZ) und Karl Dietrich Seikel (Spiegel Verlag).

Hintergründe bei Beck Aktuell