Montag, Dezember 12, 2005

Das Knast-Seminar

Die Zeit berichtet mal wieder von dem, was man sich landläufig unter praxisorientierter Juristenausbildung vorzustellen pflegt:
Am Tag, an dem sich Axel Marx’ Gesprächspartner als Mörder entpuppte, saßen sie an einem großen Holztisch in der Justizvollzugsanstalt Mannheim, rauchten gemeinsam ein paar Zigaretten und tranken Latte Macchiato. Axel Marx freute sich, endlich mit dem Mann zu sprechen, den er schon länger kannte und der sonst immer so still und zurückhaltend war. »Ich hatte Streit mit dem Taxifahrer«, sagte der andere zwischen zwei Zigarettenzügen. »Und dann hab ich ihn abgestochen.«

[...]

Marx selbst hat nichts verbrochen. Er ist 29 Jahre alt, Jurastudent im zehnten Semester, und einmal pro Woche geht er freiwillig ins Gefängnis. Redet mit den Gefangenen in der JVA Mannheim, jeden Mittwoch von 19 bis 21 Uhr. Gibt wie heute seinen Ausweis ab, schließt den Rucksack ein; wartet mit Julia, Anna, Aline, Horst und den anderen vor einer Tür, auf der »Zum Besuch« steht und die schwarzen Buchstaben schon langsam von der Scheibe blättern.
Ohne Frage eine wichtige Horizonterweiterung für die Werbepuppen des Ralph-Lauren-Konzerns.

Kommentare:

Tommy hat gesagt…

Sorry, verstehe die humorvolle/ironische/abwertende Bemerkung am Schluss nicht...
Finde ehrenamtliches Engagement lobenswert.

Alexander Hartmann hat gesagt…

Das richtet sich gegen die Barbour-Kameraden, die sich bei Gefängnisbesuchen darüber aufregen, dass dort "zu viel Komfort" herrsche.

Tommy hat gesagt…

ok ;-)

Anonym hat gesagt…

Der Autor hätte sich zuerst einmal mit dem Konzept der Haftgruppe auseinander setzen sollen. Dann hätte er relativ schnell herausgefunden, dass es weder etwas mit praxisorientierter Juristenausbildung noch mit Barbour-Jacken tragenden Jurastundenten zu tun hat.
Schade eigentlich! Denn so wird basierend auf Halbwissen ein völlig falsches Bild erzeugt.