Donnerstag, Februar 02, 2006

Hochschulpolitik als Berufsziel

Lange Zeit galten die studentischen Berufsaktivisten nur als überzogenes Klischee und gern zum Besten gegebene WG-Legende, jetzt hat der unerschrockene Bonner Student Manuel Hartung im UniSpiegel beschrieben, dass das wirkliche Leben (TM) noch jedes Klischee zu übertreffen vermag:
Dann kommen die drei Regierungsfraktionen: die Jusos, dann die Grünen um Asta-Boss Thomas Möws (30 Jahre, 21. Semester Politische Wissenschaft, Zoologie, Volkskunde), der den Uni-Rektor öffentlich gern mit "Magnifizenz" anredet, "um zu zeigen, dass ich ihn respektiere". Ganz links der dritte Koalitionspartner, die Liste undogmatischer StudentInnen (LUST), darunter auch Jan Baumeister, Glatze, graue Haare und nach eigenen Angaben der "zweitälteste SP-Vertreter Deutschlands" (SP heißt Studentenparlament). Er ist 47 Jahre alt, hat die LUST im Dezember 1980 gegründet und verdient jetzt als Geschäftsführer des Asta sein Geld.
Großer Sport. Die Burschen rutschen damit ohne störende Berührung mit dem Arbeitsmarkt von der Immatrikulation direkt in die Frühverrentung.

...jurabilis! meint: Hut ab vor der Selbstironie der Leute, die sich solche "Vertreter" wählen!
"Was qualifiziert dich fachlich?" - "Ich habe schon neun Semester studiert." Hände hoch zur Abstimmung, Kandidat gewählt, nächster Tagesordnungspunkt.
Kosten solche "Parlamentssitzungen" eigentlich Eintritt oder kann da jeder einen kostenlosen Abend in selbstironischer Runde erleben? Wer hat Lust auf einen Abend FU-StuPa (wo es hoffentlich spannender zugeht als auf der dazugehörigen Website)?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Der Posten des AStA-Geschäftsführers ist kein gewähltes Amt, sondern ein ganz regulärer Angestelltenjob, auf den sich jedermann bewerben kann, insbesondere auch Nichtstudenten. Mit anderen Worten: Der Typ ist mit dem Arbeitsmarkt in Berührung gekommen und hat sich dort erfolgreich auf einen Job beworben.

Kann man aber wohl nicht wissen, wenn man selber keine Ahnung von studentischer Interessenvertretung hat und ASten pauschal nutzlos und schlecht findet. Arm.

Alexander Hartmann hat gesagt…

Lieber Anonymous,

zunächst gratuliere ich Ihnen ganz herzlich zu dem mutigen Schritt, hier anonym zu kommentieren!

Ich habe eigentlich nur eine Frage an Sie, die gleichzeitig meine Antwort sein soll: Denken Sie wirklich, dass Ihre Aussage

"Der Typ ist mit dem Arbeitsmarkt in Berührung gekommen und hat sich dort erfolgreich auf einen Job beworben."

zutrifft auf eine "Bewerbung" auf den Posten des AStA-Geschäftsführers?

Glauben Sie, dass da zum Beispiel ein transparentes Assessment Center durchlaufen wurde oder auch nur eine Ausschreibung des Postens stattfand? Ich bewundere Ihren Idealismus!

Auf Ihre Antwort freut sich

A.H.

Anonym hat gesagt…

Lieber Alexander Hartmann,

ASten sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, mit dem jeweiligen Rektorat als zuständige Aufsichtsbehörde. Bei dem Geschäftsführer und anderen Festangestellten handelt sich daher um ganz reguläre BAT-Stellen, die natürlich schon aus Gründen der Absicherung gegen Anfechtungen ausgeschrieben waren und bei Bedarf auch wieder werden. Das darf ein angehender Jurist gerne mal wissen.

Anonym hat gesagt…

Dann müsste sich bei den ASten aber einiges geändert haben, wenn es dort zwischenzeitlich transparente Ausschreibungsverfahren geben sollte. Von Ausnahmen abgesehen (die es sicherlich gibt) waren (und sind es wohl noch) Stellen in den ASten häufig Versorgungsposten für Ex-AStA-Referenten und/oder Bekannte von (Ex-)AStA-Referenten.

Auch die formelle Ausschreibung am schwarzen Brett und in den Publikationen der Studierendenschaft (wer liest die anderes als Ex-AStA-Referenten und deren Bekannte?) führen doch letztlich nur zu Auswahlverfahren, an deren Ende die Frage steht: Dein oder mein Listenangehöriger bzw. dein oder mein Bekannter? Das wird dann nach Mehrheitsverhältnissen, Trinkgewohnheiten oder ähnlichem entschieden, aber wohl nur im Ausnahmefall nach Geeignetheit für einen Job.

Q hat gesagt…

Ich gestehe eine Bildungslücke: dass ein ASTA einen bezahlten Geschäftsführer hat, ist mir neu. Wozu braucht man den?

Ansonsten ist der SpOn-Artikel ziemlich typisch für den Spiegel. Der schreibt ja über ein 4-Augengespräch, über dessen Inhalt die Teilnehmer Stillschweigen vereinbart haben, immer so erhellende Informationen zu den Beteiligten, also zu den Farben der Krawatte, dem Hersteller des Kostüms und die Zahl der Flecken auf dem Hemdkragen. Das klingt dann immer so, als säßen überall Spiegel-Leute unter den Tischen. Wer das braucht, liest dann mit leichtem Schauer die "Informationen aus erster Hand". Naja. Hier ist es der erwähnte Bierkonsum, der - klar - den Asta verdächtig macht und das geneigte Publikum vermutlich auf künftige Forderungen zur Beendigung des "Affentheaters" einstimmen soll. Die Damen und Herren sollen schließlich studieren, anstatt Zeit und Geld zu verschwenden. Hier ist der Spiegel der Bild-Zeitung stilistisch so nah, wie Herr Aust persönlich Herrn Diekmann.

Um 20.17 Uhr macht ein LUST-Vertreter das erste Heineken auf.
Bei der LUST stehen jetzt zwei Kölsch neben dem Heineken.


Dem "Herrenreiter" Manuel J. Hartung sei dringend ein Ausritt die real existierende parlamentarische Demokratie empfohlen. Nicht nur, dass Sitzungen der Ortsvereine sämtlicher Parteien regelmäßig in Kneipen veranstaltet werden, wo die Damen und Herren bestimmt Milch odern, bzw. Tee für Herrn Stoiber, den aber im Bierglas, und auf Parteitagen ein guter Schluck die Reden befeuert. Nein, es hat schon Reden stockbesoffener Parlamentarierer im Bundestag gegeben. Wobei belegt ist, dass es nicht immer die bösen Linken sind, die einen ziemlichen Zug haben. Das zeigen u. a. die Usancen bei den Verbindungen.

Anonym hat gesagt…

Großverdiener im Bonner AStA

Herr Baumeister ist in die Gehaltsstufe BAT Vb eingruppiert, das macht bei seinem Lebensalter auf ner vollen Stelle 1500 Euro netto. Eine Berufsausbildung hat er keine. Ein abgeschlossenes Studium auch nicht. Beworben hat er sich auch nicht wirklich auf die Stelle, das Nest wurde von den Jusos gemacht, Anfang der 80iger Jahre.

Herr Hopf, der Kassenverwalter, erhält BAT IVb. Auf einer 2/3-Stelle gut und gerne 1200 Euro auf die Kralle. Kein abgeschlossenes Studium, keine Berufsausbildung (geil auf einer Buchhalterstelle, wo auf der Welt gibt's das außer im Bonner AStA). Qualifikation: Bei Einstellung Juso-Parteibuch (heute mit über 50 natürlich nich mehr)

Frau Falkenberg, (früher Herr Falkenberg), hat nach sogenanntem "Bewährungsaufstieg" auch BAT IVb erreicht. Auf der halben Stelle gibt's immer noch nen Tausi netto. Kein abgeschlossenes Studium, keine technische Ausbildung. Aber 1000 auf die Kralle. Ohne was dafür zu können. Das Paradies der Werktätigen, im Bonner AStA wurde Wirklichkeit, was Moskau 70 Jahre vergeblich versucht hat...

Das ist nur der Gipfel eines riesigen Gebirges aus Korruption im Bonner AStA. Aber wen interessierts. Die Opposition fürchtet sich vor den Enthüllung der Skandale, weil sie dann selber ran müsste und den AStA stellen. Die Uni hat Angst vor schlechter Presse und deckt den Mantel des Schweigens über den AStA-Klüngel. Das Rechnungsprüfungsamt hat trotz medienträchtiger Schelte für den AStA DIESE mehr oder weniger offenkundigen Schweinereien nicht gesehen oder nicht sehen wollen.

Und die Damen und Herren leitende Angestellte im AStA bauen ihre Position in diesem System weiter aus. Die Gehälter bestimmt demnächst der Personalrat (wer eingestellt wird, bestimmt heute schon der Personalrat), in dem sinnvollerweise abwechselnd mal Herr Baumeister, Herr Hopf oder Frau Falkenberg sitzen.
So was steht natürlich nicht im UniSpiegel ...

Wen interessierts auch ...